Tag 55

Etwas möchte ich gerne wissen: Wenn ihr zurückblickt auf die vergangenen 55 Tage, was hat sich bei euch getan? Seid ihr zur Ruhe gekommen und habt endlich mal ein wenig durchgeatmet? Oder habt ihr etwas Neues gelernt? Habt ihr euer Zuhause geputzt? Die Fenster? Den Keller entrümpelt? Bücher gelesen? Gekocht? Gebacken? Oder gar nichts davon? Ganz bewusst, weil ihr a) schon alles könnt und sowieso schon alles sehr ordentlich ist bei euch, b) schulpflichtige Kinder zuhause habt, c) längst in höchstem Mass genervt seid von diesem Trend, die Zeit zuhause möglichst effizient und selbst-optimierend zu nutzen? Wenn c) auf euch zutrifft, dann seid ihr in bester Gesellschaft. Dem guten, alten Knackeboul geht es nämlich auch so, sein Statement hat mich diese Woche sehr zum Lachen gebracht! Schaut es euch hier an: Knackeboul in „Wein doch“.

Wir haben heute weder gebacken, noch gepuzzlet und zuhause aufgeräumt schon gar nicht. Mein (ehemals) Erziehungsberechtigter dagegen, der hat dem Materialismus so richtig den Kampf angesagt. Entrümpeln und Entsorgen lautet seine aktuelle Mission. Dabei sind ihm kistenweise Schul- und anderes Material von mir in die Quere gekommen. Dumm gelaufen für mich, mich haben diese Kisten in den letzten Jahren nämlich gar nie gestört. Und Aufräumen mag ich nicht! Ob mein Vater das weiss? Das liegt durchaus im Bereich des Möglichen. Er versuchte nämlich schon die ganze Woche, mir das Aufräumen etwas schmackhaft zu machen. Immer wieder habe ich Fotos von höchst interessanten und amüsanten Schulnotizen und von alten CD’s erhalten. Von Letzterem habt ihr dank L.H. aus B. (Name der Redaktion bekannt) bereits am Tag 52 in diesem Tagebuch eine Kostprobe erhalten. Bevor nun meine ganze Schulkarriere auf Papier ungesichtet in die Tonne gekloppt wird, liess ich mich dann doch dazu hinreissen, unseren heutigen Besuch à Distance bei meinen Eltern für ein wenig Aufräumarbeit zu nutzen.

Sofia, die Aufräumhelferin. Oder -verhindererin. Wie man’s nimmt.

Kennt ihr die Netflix-Serie „Aufräumen mit Marie Kondo“? Ihr Aufräum-Prinzip habe ich heute ausprobiert: Nimm einen Gegenstand in die Hand. Wenn er dich wirklich glücklich macht, behalte ihn, sonst bedank dich bei ihm und wirf ihn weg. Kurz: Ich bin heute nicht fertig geworden mit all den Kisten. Aber ich hatte eine Menge Spass. So bin ich zum Beispiel auf einem mir schon immer sehr unsympathischen Buch rumgehüpft und habe mich an musikalische Höhe- und Tiefpunkte der Jahre 1995 bis 2000 erinnert.

VENDETTA! Algebra war auch oft fies zu mir!

Wem klingen bei diesen CD’s gleich ein paar tolle Lieder von damals durch das innere Ohr? Trallalaaah, waren das noch Zeiten, echt lange her. Bei einer CD bin ich allerdings auf ein höchst aktuelles Thema gestossen:

siehe Track 16

Das ist der Beweis: Corona war schon 1995 brandaktuell. Vielleicht hatten wir es doch alle schon und sind längst immun? Haha.

Da das leider Wunschdenken bleibt, war unser heutige Besuch à Distance bei meinen Eltern für ein Weilchen der letzte. Sobald Schule und Kindergarten wieder losgehen, haben unsere Kinder trotz aller Schutzmassnahmen Umgang mit viel, viel mehr Menschen als in den letzten paar Wochen und da fühlt es sich für uns richtig an, eine Vermischung der Generationen wieder um jeden Preis zu vermeiden. Wie lange das jetzt so bleiben soll, wird sich zeigen. Der Ausnahmezustand bleibt uns jedenfalls weiterhin erhalten. Irgendwann putze ich doch noch die Fenster. Vielleicht.

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