Es geht wieder los. Ein wenig.

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Der Lockdown light ist zu Ende, die Schweiz öffnete heute wieder Tür und Tor und die Kinder dürfen ab sofort zurück in die Schule. Das stimmt so zwar alles, aber wir wissen: Die soziale Welt da draussen dreht sich weiterhin nur mit angezogener Handbremse. Und die Schule startet mit einem Notstundenplan.

Für die minderjährigen Stammspieler der Villa Hebdifescht bedeutete das heute vor allem eines: weiterhin ausschlafen. Der Zweitklässler wurde erst nachmittags in der Schule erwartet und die beiden Kindergartenkinder sogar erst morgen. Gegen Mittag wurde Lorenzo zunehmends nervös: „Komme ich auch sicher nicht zu spät? Habe ich noch Zeit, dieses oder jenes zu spielen? Meinst du, meine Finken passen mir noch? Wie spät ist es?“ Der erste Schultag war in Sachen Aufregung im Vergleich zu heute eine Spazierfahrt. Lorenzo war froh, als er sich dann endlich auf den Schulweg machen durfte – schwer beladen mit dem ganzen Fernunterrichtsmaterial der letzten acht Wochen. Und als ich ihn nach dieser langen Zeit zum ersten Mal wieder Richtung Schulhaus schlendern sah, war auch ich aufgeregt wie an seinem ersten Schultag. Und ich war glücklich. Jetzt hat er es wieder, sein Revier in der Schule, seine Welt, wo weder wir Eltern noch seine Geschwister etwas zu suchen haben. Und morgen dürfen dann auch Sofia und Alessandro zurück in die familienfreie Abenteuerzone.

Und als Lorenzo weg war? Da war’s ganz, ganz still im Haus. Das war wirklich seltsam. Sofia und Alessandro waren ja noch da und die beiden tragen normalerweise ganz entscheidend zum hohen Lärmpegel in der Villa Hebdifescht bei. Aber heute, nach Lorenzo’s Aufbruch, war alles ruhig. Kein Ton, nichts. Und was macht die Mutter? Sie kippt auf’s Sofa und fällt in einen unerhört tiefen Schlaf. Mitten am Tag. Was sagt uns das?

Es soll mich hier niemand falsch verstehen – ich war nicht froh, eins der drei Kinder endlich los zu sein. Meine tiefe Entspannung kam wohl eher daher, dass ich sah, wie glücklich Lorenzo war, dass er wieder zur Schule gehen durfte. Als er nach Hause kam, verkündete aber mit leuchtenden Augen: „Diese paar Lektionen und die Pause mit meinen Freunden, das hat sooo unglaublich gut getan! Die Schule war noch nie so schön!“ Dieses kleine, bisschen Normalität, das hier wieder einkehren darf, das tut uns allen gut. Ich glaube, dass wir erst jetzt, in der Zeit danach, Schritt für Schritt feststellen und begreifen werden, wie intensiv die letzten Wochen tatsächlich waren. Im Kopf waren wir uns dem bewusst, wir haben ja auch oft darüber geschrieben. Aber in den Gliedern spüren wir die Müdigkeit erst jetzt, wo wir wieder etwas loslassen dürfen. Und jetzt hoffen wir, dass die Schulen geöffnet bleiben und die Tage sich Stück für Stück einem gewöhnlichen Alltag annähern.

An dieser Stelle daher nur noch das: Euch allen eine gutes, neues Jahr!

Den Screenshot dieses äusserst gelungenen Tweets habe ich dreisterweise meiner Tante und Gotte geklaut. Aber was passt heute besser? Danke dafür.

Wir lesen uns am Donnerstag. Nicht Mittwoch, wie erst angekündigt. Aus strategischen Gründen erscheinen die Beiträge Montags, Donnerstags und Samstags. Und jetzt: Gute Nacht!

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