Spass in freier Wildbahn

Wieder draussen: Postcorontäre Wiedervereinigungskunst.

Die Corona-Auflockerungs-Phase ist neben vielem anderen auch sehr lustig! Geht man durch die Strassen unserer mittelgrossen Bezirkshauptstadt, sieht man überall Menschen. Einfach überall. Aus allen Löchern kommen sie gekrochen, wie beim ersten, warmen Frühlingstag nach einem kalten Winter. Und einige Gesichter sehen nach Erleichterung und sogar ein wenig nach Fröhlichkeit aus – falls sie gerade nicht von einer Maske in den unterschiedlichsten Formen, Farben und Materialien bedeckt sind. Natürlich sind auch wir aus unserem Villa Hebdifescht-Loch gekrochen und wagen uns hin und wieder ganz vorsichtig ein wenig unter Menschen. Endlich haben die Kinder neue Sandalen, und endlich kann man die Leute auf der Strasse aus sicherer Distanz wieder grüssen, ohne dass sie einen gleich mit Blicken desinfizieren wollen.

Inzwischen sind auch Sofia und Alessandro in ihr Kindsgi-Leben zurückgekehrt – wenn auch mit Notstundenplan. Im Gegensatz zu Lorenzo mussten sie zwar erst am Dienstag, dafür bereits vormittags zum Unterricht. Wir sorgten uns, ob wir sie wohl rechtzeitig aus den Federn kriegen würden, nach acht Wochen Ausschlafen. Wie sich am Dienstag früh zeigte, waren unsere Bedenken gänzlich unberechtigt: Um 5 Uhr (FÜNF!!!) stand Sofia neben dem Bett der noch sehr, sehr, sehr tief schlafenden Erwachsenen – knallwach. Sie war so zappelig, dass sie nicht mehr einschlafen konnte. Früh aufstehen – für sie kein Thema. Alessandro musste zwar geweckt werden, doch auch er war sehr schnell ausreichend präsent und kindsgifertig. Erstaunlich, erstaunlich…

Und dann, als die zwei Kleinen aus dem Haus waren, erlebten wir dasselbe wie am Tag zuvor, einfach umgekehrt: Nur Lorenzo war noch da. Stille im Haus. Bei den seltenen Gelegenheiten, zu welchen er bisher wegen Unterrichtsausfall ohne die Kleinen zuhause war, irrte er oft ein wenig orientierungslos durchs Haus und fand die Situation eher seltsam. Doch nicht seit Corona. Am Dienstagmorgen hat er die Ruhe, den Platz und uns sichtlich genossen. Und: Wir haben sogar nebeneinander gearbeitet, er an seinem Mathezeugs, ich an meinem Textzeugs. Neben meinem grossen Jungen zu arbeiten, beide in voller Konzentration, und dann gemeinsam Pause zu machen, war ein sehr, sehr schönes und friedliches Erlebnis. Danke, Corontäne. Homeoffice können wir jetzt.

Dann kamen Sofia und Alessandro wieder nach Hause. Wir Homeofficer waren sehr gespannt darauf, ob im Kindsgi nun alle Plüschtiere ein Visier trugen, wie das Regime auf dem Pausenplatz funktioniert und ob sie ihre Freunde noch erkannt haben. Nun, sie schafften es knapp bis durch die Haustüre, dann haben sie sich beide auf den Boden gelegt und gesagt, sie würden jetzt nichts erzählen, sondern sofort schlafen gehen, so müde seien sie noch nie gewesen. Ausreichend Kalorien beim Mittagessen konnten da Abhilfe verschaffen. Aber es werden vermutlich noch einige Kindsgi-Tage ins Land ziehen müssen, bis der Energiehaushalt wieder wie vor der Zwangspause funktioniert.

Jetzt ist Donnerstag. Und ich schwebe mindestens 20 cm über der Erdoberfläche. Denn heute Morgen war ich alleine unterwegs. Alleine. Die Zwillinge waren im Kindergarten, Lorenzo bei einem Schulfreund. Falls mich heute Morgen jemand durch den Migros tanzen gesehen oder auf der Strasse singen gehört hat – sorgt euch nicht, es ist alles ok!  Das ist nur die Luft, die mir Auftrieb verliehen hat. Und natürlich die richtige Musik in den Ohren. Was für ein seltsames, herrliches Gefühl, dieses Alleinsein. Danke, Coronakrise, wie geniesse ich jetzt jede dieser Stunden. Nicht zum ersten Mal, aber doch seit Längerem wurde mir mal wieder bewusst, dass es wie so oft die richtige Mischung macht: Ausreichend Zeit für mich lässt mich die Zeit mit den Kindern wieder bewusster gestalten, geniessen und wahrnehmen. Und umgekehrt.

So, dann habe ich nur noch eine Frage, besonders an diejenigen unter euch, die hin und wieder Masken tragen (müssen). Zu welcher stilistischen Masken-Gruppierung gehört ihr? Zur Gruppe Maske-unterm-Kinn-wie-die-Sonnenbrille-der-schön-Frisierten? Oder seid ihr eher so der Maske-an-einem-Ohr-Typ, ähnliche wie Ich-hängte-mir-zur-Schulzeit-immer-nur-einen-Träger-des-Eastpak-Rucksacks-über-die-Schulter? Vielleicht macht ihr’s auch eher so wie früher mit dem Töfflihelm, immer in die Stirn geschoben, ausser die Polizei fährt vorbei? Ich bin gespannt, was sich da sonst noch so für Stilrichtungen entwickeln werden. Ich habe mich noch nicht definitiv für einen Style entschieden.

Übrigens: Ich weiss, dass die Maske so absolut nichts bringt. Auch, dass man sie nach der Verwendung entsorgen sollte. Ebenso, dass man sparsam damit umgehen muss. Mache ich fast alles. Ich schaffe es nur nicht immer, die Maske nach jedem Kurzbesuch einer maskenpflichtigen Zone sofort wegzuwerfen. Manchmal verwende ich sie noch als Haaraccessoire. Hübsch, nicht? Müsst ihr unbedingt mal ausprobieren.

Byebye, bad hair days

Ihr seht, wir nehmen den Spass sehr ernst.
Wir lesen uns.

1 Gedanke zu „Spass in freier Wildbahn“

  1. Hallo Ihr Lieben
    Ja,ja die lieben Masken. Ich habe letzte Woche auch eine ausprobiert. Mal am Ohr,mal unterm Kinn. Wie und wo auch immer, es war nicht wirklich mein Ding. Denn das rauf und runter verschiebte die Viren ja sowieso. Also habe ich die Maske kurzfristig wieder am Ort gelassen, wo sie sich wohl fühlt. Nämlich in der Box.
    Liebe Lea und Familie, ich habe mich so gefreut, immer wieder eure Erlebnisse so hautnah mitzubekommen. Ich muss euch einfach mal ein Kränzchen winden. Dieses Tagebuch und euer Durchhalten verdient einen grossen Applaus. Nun wünsche ich euch allen gutes Durchstarten und viele schöne Momente in der neuen Freiheit.
    Ganz liebe Grüsse Rämyh-Mami

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